Frank - Mit Volldampf in die Sackgasse
Aufgewachsen bin ich in einer Familie ohne Gott. Meine Eltern gehörten zu einer Religionsgemeinschaft ohne Bibel und ohne Jesus. Dort ging ich auch in eine Art Konfirmationsunterricht, wo wir einiges über Philosophen und ihre Gedanken lernten. Es sollte „das Göttliche im Menschen geben“. Ich war ziemlich faul, habe meinen Eltern viele Probleme gemacht, gelogen und gestohlen. Freunde hatte ich fast keine. Als ich 17 Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Ich blieb bei meinem Vater und meine jüngere Schwester zog mit meiner Mutter einige Kilometer weg. Mit beiden Elternteilen hatte ich fast nur Schwierigkeiten (was allerdings an meiner Person lag), und so lebte ich recht verschlossen. Mein großes Hobby war damals Motorradfahren.
Die kommenden Jahre waren geprägt von meiner Suche nach erfülltem, intensivem Leben. Ich war immer wieder bei Leuten von der alternativen Szene, später bei den Grünen, in einem Motorradverein – aber den gesuchten „Tiefgang“ habe ich nicht gefunden. In unserer Stadt gab es immer im Frühjahr einen Motorradfahrer-Gottesdienst. Diese Leute fand ich recht interessant und wurde bei ihnen Mitglied. Es war eine schöne Zeit. Ich habe Gottesdienste mitgestaltet, sogar am Abendmahl teilgenommen - aber alles, ohne überhaupt zu glauben.
Lkw-Fahren war damals mein Leben. Je mehr Überstunden ich machte, desto wertvoller war ich für die Firma. Doch irgendwann hatte ich es dann doch übertrieben: An einem freiwilligen Arbeitssamstag im Herbst 1989 knackste ich mir die Bandscheibe an, und ich konnte kaum noch ins Fahrerhaus klettern. Nach zwei Tagen konnte ich überhaupt nicht mehr arbeiten. Damals hatte ich zwar eine Freundin, zwei Autos, ein Motorrad, eine ganze Garage mit alten Mopeds, viele Lkw- und Eisenbahnmodelle – aber was ist das noch wert, wenn man sich an manchen Tagen nicht mal selber die Socken anziehen kann?
Die Eltern meiner damaligen Freundin waren gerade Christen geworden und irgendwann gaben sie mir ein Taschenbuch „Intim vor der Ehe?“. Das las ich durch und erkannte dabei, wie Gott über dieses Thema denkt. Somit war für mich klar: Die „richtigen“ Christen heiraten zuerst und gehen dann zusammen ins Bett. Aber ich war ja kein Christ ...! Doch Mitglied bei den christlichen Motorradfahrern war ich noch immer.
Einige von ihnen fuhren manchmal zu „ganz besonderen“ Motorradfahrer-Gottesdiensten auf einem Bauernhof. Das hatte mich schon länger interessiert – nur, um dort hinzufahren, musste man Sonntags schon um 7 Uhr starten. Sooo früh aufzustehen war jedoch durch meine 6-Tage-Woche mit den vielen Überstunden nahezu unmöglich. Jetzt, krank und arbeitslos, konnte ich mit. Auf dem Motorrad sitzen konnte ich natürlich nicht mehr. Also bin ich unter großen Schmerzen mit dem Auto zu diesem Gottesdienst gefahren. Die Motorradstiefel und -jacke hatte ich im Kofferraum und so zog ich mich kurz vorher um, denn dieser Gottesdienst war ausdrücklich nur für Motorradfahrer. Und dann saß ich in einer riesigen Scheune mit Hunderten von Motorradfahrern auf Bretterbänken. Vorne hatten sie einige Strohballen als Altar aufgebaut und es gab ein Kreuz aus Birkenstämmen. Nach ein paar Liedern sprach einer der Motorradfahrer zu uns. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, außer dass er irgendwann sagte: „Gott liebt Dich – Jesus liebt Dich!“
Das hat voll eingeschlagen: dass mich jemand liebt, und dann auch noch Gott ?!? Zur damaligen Zeit war ich davon überzeugt, dass an mir nichts Liebenswertes ist. Ich habe dagesessen und geheult (!), und es war mir egal, was die Leute neben mir dachten. Am Ende des Gottesdienstes bot man an, dass Leute, die Fragen hätten, in einer benachbarten Halle mit den Veranstaltern noch reden könnten. Das tat ich auch. Und was hatte ich viele Fragen! Ich hatte bisher kaum in eine Bibel hineingeschaut und wusste wenig vom evangelischen Glauben. Dass Jesus am Kreuz gestorben war, war für mich bisher etwas rein Geschichtliches gewesen und hatte erst ab diesem Tag etwas mit mir zu tun. Der Mitarbeiter erklärte mir noch mal, wie man Christ werden kann, sagte aber auch, ich sollte mir aber keinen Druck machen. Mit einigen Broschüren versorgt fuhr ich dann Heim. Ich war total aufgewühlt.
Ich wusste, dass ich in Richtung Bekehrung vorwärts gehen sollte. Obwohl ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Jesus entschieden hatte, reduzierte ich schon mal die Beziehung zu meiner Freundin auf einen platonischen Rahmen. – Nun, der 1. Oktober 1989 kam und damit stand der nächste Motorradfahrer-Gottesdienst an. Ich war total aufgeregt, weil ich wusste, dass ich dem Mitarbeiter begegnen würde, der mir letztes Mal nach dem Gottesdienst alle meine Fragen beantwortet hatte – und ich wusste auch, dass er mich fragen würde „Hast Du Dich bekehrt?“ So habe ich diesmal von der Predigt nichts mitbekommen und nur immer wieder überlegt, was ich nachher diesem Mitarbeiter sagen könnte.
Nach dem Gottesdienst stand meine Freundin noch vor mir bei diesem Mitarbeiter und fragte ihn, was zwei Menschen tun sollten, die schon zusammen waren, wenn sie sich bekehren würden. Antwort: Sie könnten ja heiraten. Das war für mich erstmal keine Antwort. Wir fuhren zurück, ich hatte schreckliche Kopfschmerzen zusätzlich zum Bandscheiben-Vorfall, war müde, legte mich ins Bett und plötzlich war ein Gedanke da: „Eigentlich müsste ich mich ja bekehren!“. Gleich darauf kam ein anderer Gedanke: „Schlaf doch erstmal.“ Und da zog mich etwas – nein, Jesus zog mich! Wieder dieser Gedanke: „Mensch, ich sollte mich bekehren...“ Und wieder ein feindlicher Gedanke: „Du bist doch so müde, schlaf doch lieber!“ Und Jesus Christus zog mich nochmals .... Dann sagte ich einfach „JA“ und hatte auf einmal riesige Freude in mir, und die Kopfschmerzen waren weg und müde war ich auch nicht mehr. JA, in diesem Augenblick wurde ich ein Kind Gottes und Jesus wurde mein Herr! So eine große Freude hatte ich noch nie erlebt! Ich ging gleich zu meiner Freundin und sagte ihr, dass ich mich bekehrt hätte.
Heute kann ich dankbar dafür sein, dass mein Gott mich damals durch den Bandscheibenvorfall aus dem Verkehr gezogen hat. Später durfte ich trotz der Schmerzen mit Gottes Hilfe wieder anfangen zu arbeiten. Ein Vers aus dem 1.Thessalonicher-Brief hat mich seit damals begleitet: „Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an Euch.“ So kam ich zu dem Entschluss: Auch wenn ich nächste Woche im Rollstuhl sitzen sollte und nur noch ein Jahr zu leben hätte – dann wollte ich noch ganz vielen Menschen von Jesus erzählen.
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