Esther – Sehnsucht nach Wahrheit
Als Jugendliche war ich häufig depressiv, voller Ängste und fühlte mich ziemlich minderwertig. Manchmal wollte ich lieber sterben als leben. Obwohl ich mit 14 den Konfirmationsunterricht und Gottesdienste besuchte, kannte ich Gott nicht. Über Glaube und Religion machte ich mir meine eigenen Gedanken, wie z.B. dass alle Religionen, auch die Bibel, psychologisch zu erklären seien, dass der Mensch sie sich selbst schafft, weil er eine Hoffnung braucht. Oder, dass es ganz egal sei, woran jemand glaubt, und sei es auch nur an einen Stein, Hauptsache, er glaubt fest genug, dass ihm dieser Glaube Halt für sein Leben gibt.
Ja, Halt für mein Leben, das suchte ich. Mir wurde aber auch bald klar, dass ich mir mit meinen Erklärungen von Glauben selbst in die Tasche log und dass ich, wenn ich sie konsequent weiter dachte, gar nichts mehr glauben konnte. So kam es, dass ich ein paar Jahre später nicht mal mehr an Weihnachten in die Kirche ging. Es wäre ja doch nur Heuchelei gewesen. Tief in meinem Herzen spürte ich aber eine Sehnsucht nach Wahrheit.
Die Wende kam nach meiner Schulzeit. Mit 19 ging ich von zu Hause weg, um ein Jahr als diakonische Helferin in einem Altenpflegeheim zu arbeiten. Hier lernte ich Christen kennen. Besonders ein junges Mädchen beeindruckte mich. Sie lud mich zu Veranstaltungen einer christlichen Wohngemeinschaft ein, wo ich zuerst gar nicht hingehen wollte. Sehr geduldig fragte sie mich immer wieder, bis ich schließlich doch des öfteren mit ihr ging. Sie redete so natürlich von Gott, als ob er neben ihr säße und ihr Freund wäre. In dieser Zeit fing ich immer öfter an zu beten, zu einem Gott, von dem ich nicht mal wusste, ob er existierte. Aber man kann's ja mal ausprobieren!
Eines Abends war ich dann soweit, dass ich meine Bekannte fragte, wie auch ich so eine Beziehung zu Gott bekommen konnte. Ihre Antwort war: “Du mußt es ihm nur einfach sagen und Jesus Christus in dein Leben einladen”. Immer noch mit dem Hintergedanken, wenn es Gott nicht geben sollte, könne mir dieser Versuch ja nicht schaden, aber wenn es ihn doch gäbe, möchte ich seine Hilfe für mein Leben haben, kniete ich mit meiner Bekannten nieder und lud Jesus in mein Leben ein. Obwohl damals absolut nichts Dramatisches geschah und auch nicht sofort alle Zweifel zerstreut waren, weiß ich heute, dass das der Wendepunkt meines Lebens war. Ab diesem Zeitpunkt fing Gott an, mich zu führen. Ich begann täglich kleine Abschnitte aus der Bibel zu lesen und die Versammlungen der christlichen Wohngemeinschaft zu besuchen.
Einige Monate später sollte ich zum Studium nach Gießen umziehen. Mein Verständnis vom christlichen Glauben war bis dahin immer noch recht klein, aber eines war mir klar: Ich würde Gemeinschaft mit Christen brauchen, wusste aber nicht, wie ich es anstellen sollte. Als ich zur Einschreibung kam, waren die ersten Menschen, die mich ansprachen, Christen, die zu einem Bibelkreis einluden. So kam ich sofort zu einer christlichen Studentengruppe. Erst jetzt lernte ich immer mehr die christliche Botschaft wirklich zu verstehen: dass ich mit Gott nur Gemeinschaft haben kann, weil Jesus Christus am Kreuz für meine Schuld gestorben ist; dass vor ihm nicht meine Leistung, sondern meine Entscheidung für ihn zählt, und vieles mehr.
Heute, nach 28 Jahren Christsein, kann ich sagen, ich habe meine Entscheidung für Jesus Christus nie bereut. Das Suchen meines Herzens ist zur Ruhe gekommen. Ich habe die Wahrheit gefunden! Probleme gibt es immer noch, aber ich weiß heute, dass jemand da ist, mit dem ich jederzeit darüber reden kann, der mich versteht, meine Situation kennt und auch eingreifen kann. Wenn Ängste kommen wollen, weiß ich, mein himmlischer Vater sorgt für mich. Er gibt auch Kraft, wo meine Kraft zu Ende ist. Allein, dass ich heute eine Familie mit fünf Kindern habe und in dieser Aufgabe immer noch täglich neuen Mut und neue Kraft bekomme, ist für mich schon ein Wunder.
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